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DAS NEUE HÖRBUCH:
Gibt es ein Leben nach fünfzig?

Gibt es ein Leben nach fünfzig?
Hüftspeck, Truthahnhals, Hormonschwankungen - es trifft jede über 50. Grund genug, eine Diät zu machen und teure Antifaltencremes zu kaufen. Aber Achtung: Wer geliftet die Tanzfläche stürmt, sobald I will survive ertönt, sieht echt alt aus.
Umwerfend komisch und gnadenlos böse - Désirée Nick nimmt beim Thema Wechseljahre kein Blatt vor den Mund.

 

RADIO AACHEN,
INTERVIEW AUS DEM GLORIA THEATER, KÖLN
DAS HÖRBUCH:

GIBT ES EIN LEBEN NACH VIERZIG?
Ich war, bin und bleibe 39, verdammt noch mal!

Mit Dreißig ist man in dem Alter, da man endlich seinen Kopf sortiert hat , aber der Körper beginnt, in sich zusammenzufallen. Für eine Frau von Vierzig ist ein toller Mann immerhin leichter zu finden als ein gut sitzender Bikini. Das lässt doch hoffen, oder? In der Mitte des Lebens haben Sie die phantastische Chance, selbst für Veränderungen zu sorgen. Wenn Ihre Geburtstagstorte so hell erstrahlt wie ein bengalisches Feuerwerk, unterziehen Sie Ihre persönliche Biografie letzten Korrekturen.. Beginnen Sie damit, die Vorteile zu sehen, die Ihnen das älter werden bringt: zum Beispiel ist Vergesslichkeit eine legitime Schwäche unter Senioren ab 35. Vergessen Sie als erstes, wann Sie geboren sind!

Wir Frauen wollen vom Leben nicht mehr als einen treuen Ehemann, eine Karriere, Geld, Kinder, Freunde, Luxus, Bequemlichkeit, Unabhängigkeit, Freiheit, Respekt, Liebe, tollen Sex und eine Strumpfhose, die keine Laufmaschen macht. Ist denn das zuviel verlangt?

Ich, die alleinerziehende Großstadtromantikerin habe genau wie Sie unter Einsamkeit, Enttäuschung, dem Älterwerden, unerfüllter Lust, verschmähter Liebe und hohen Hacken zu leiden. Nachdem ich ca. 1 Million Selbsthilfebücher gelesen habe, weiß ich, dass es die Männer sind, die zu wenig lieben.

Diese Buch kann jedem helfen: glücklich Geschiedenen, unfreiwilligen Singles, frisch Verliebten, Muttis nach der Menopause und Männern, die ihre Frauen nicht mehr verstehen. Das Leben ist ungerecht, na und?

Die härtesten Jahre einer Frau sind nun mal die zwischen Zehn und Siebzig!

Schaut mich an: mit intaktem Humor und intakter Garderobe lässt sich jedes Elend meistern.

Buchpräsentation im Renaissance Theater Berlin am 20. Februar 2005 um 12.00 Uhr

INTERVIEW MIT DÉSIRÉE NICK

"Gibt es ein Leben nach vierzig?" fragt Desiree Nick, Kabarettistin, Schauspielerin und Medienprofi, in Ihrem ersten Buch. Mit viel Biss, aber auch Selbstironie gibt sie Tipps "Wie man als Geliebte die Trumpfe in der Hand behalt", klart auf "Welche Standardlugen man kennen muss" und "Wie man seine Haut rettet, wenn man sich verliebt hat". Wir haben mit der frisch gebackenen Bestsellerautorin gesprochen.

Wie sieht das Leben einer Frau in den Vierzigern heute aus?

Frauen mit vierzig sind sozusagen eine völlig unbekannte Spezies! Früher waren Frauen mit 42 abgewirtschaftet, da hatte man sich eigentlich zurückzuziehen und hatte Probleme wie: Hat man nun sein Reihenendhaus abgezahlt und die Tiefkühltruhe voll? Und wenn das beides gewährleistet war, dann war das Leben in Ordnung. Das ist heute natürlich völlig anders durch die große Selbstständigkeit von Frauen. Frauen haben durch alle sozialen Schichten hindurch die Möglichkeit, selbstständig und vor allem ohne Mann ihr Leben zu bestreiten. Sie müssen in keiner Versorgungsehe verharren und auch äußerlich können sie es sich dank minimaler chirurgischer Eingriffe leisten, attraktiver zu sein als je zuvor. Jede kleine Sekretärin hat sich heute schon Fett absaugen lassen, die Augenlider gemacht und Botox-Spritzen genommen. Das gehört einfach dazu.

Das heißt den Frauen in den Vierzigern geht es heute rundherum gut. Oder fehlt ihnen auch etwas?

Worum die Emanzipation die Frauen betrogen hat, ist ganz einfach: um Liebe und Romantik. Es ist nämlich eine völlige Utopie, dass man zwei Leben zugleich leben konnte. Und eine Karrierefrau, egal ob Managerin oder Verkäuferin, hat immer eine berufliche Verantwortung, die das ganze Leben dominiert. Der ganze Tagesablauf wird letztendlich von der Arbeit bestimmt. Aber leider ist es nicht so, dass die Frauen durch Männer oder andere Familienmitglieder im Haushalt entlastet werden. Nein, das volle Programm, das sie quasi in der Nachkriegsgeneration geliefert haben, also die perfekte deutsche Superhausfrau, das hat zudem auch noch stattzufinden. Es ist ja nie genug in unserer Gesellschaft, und wenn man dann vielleicht mal gestresst ist und schlechte Laune hat, muss man sich noch Sachen anhören wie "Na ja, die war ja nur noch frustriert und die zieht ja immer ne Fresse".

"Ich, die allein erziehende Großstadtromantikerin, habe genau wie Sie unter Einsamkeit, Enttauschungen, dem Alterwerden, unerfüllter Lust, verschmähter Liebe und hohen Hacken zu leiden" schreiben Sie. - Was tun Sie dagegen?

Leiden ist die beste Möglichkeit um an sich selber zu arbeiten. Das Fatale im Leben ist ja, dass man aus den Erfolgen und den bequemen und schonen Dingen, die klappen und die toll sind, aus dem Gluck, dass man daraus NICHTS lernt, nichts. Man nimmt aus Dingen wie Erfolge oder Gluck oder Zufriedenheit oder Bequemlichkeit nichts mit. Lernen tut man nur aus Fehlern, aus Misserfolgen und aus dem Scheitern. Und ich lerne aus allem. Ich lerne aus allem, um die beste Version meiner Selbst zu werden, die ich nur sein kann.

"(Ohne Mann), das sind die Zeiten, in denen bei mir immer ein Karriereschub stattgefunden hat" - Waren die Männer in Ihrem Leben denn immer ein Klotz an Ihrem Bein? Oder anders gefragt: Haben Sie schon mal einen Mann getroffen, der starker war als Sie?

Es gibt viele Männer, die starker sind als ich, bloß die sind mit meiner Dynamik überfordert, weil ich ein Mensch bin, der sich entwickelt. Männer wollen ja immer Frauen und Frauen wollen Männer, die so bleiben wie sie sind. Aber Stagnation ist Tod. Ich bin heute ein anderer Mensch, als ich es vor fünf Jahren war. Und wenn Partner sich unterschiedlich entwickeln und entfalten, dann ist das natürlich für den anderen Teil der Partnerschaft eine Herausforderung. Und es ist auch anstrengend, das mitzumachen und dem folgen zu können. Und bei mir war bisher doch nie irgendein Mensch in der Lage, diese Entwicklungssprunge, die ich mache, mitzumachen. Ich meine, neuerdings bin ich seit drei Wochen Bestsellerautorin. Vorher war ich Kabarettistin, dann haben sie mich Krawall-Entertainerin genannt, davor war ich Schauspielerin am Staatstheater, davor war ich Religionslehrerin und davor Balletttänzerin. Und ein Mann der will doch eine, die Apothekenhelferin ist und Apothekenhelferin bleibt. Punkt.

Sie haben sehr unterschiedliche Jobs gemacht, aber hat sich der Mensch Desiree Nick dabei wirklich so sehr verändert?

Aber total. Man definiert sich doch über seine Arbeit. Arbeit ist die Hälfte des Lebens. Man arbeitet und dann macht man alles, was drumherum ist, um sich auf die Arbeit vorzubereiten oder um die Arbeit nachzubereiten und dann verbringt man, wenn man Gluck hat, die Nachte in einem schonen Schlafzimmer. Was ist denn das Leben? Ich frage mich, was das Leben sein kann, wenn man kein Ziel hat. Schauen Sie, ich habe jahrelang Sozialhilfe bezogen und war arbeitslos gemeldet. Ich wurde am Theater entlassen, hatte Schauspielauftrage und Schauspielrollen, die dann beendet waren. Ich war oft arbeitslos. Glauben Sie, es wäre mir auch nur im Traum eingefallen, einmal zu sagen "Hilfe, ich bin arbeitslos"? Als ich arbeitslos war, da dachte ich "Gott sei Dank, jetzt habe ich Zeit, um mich fortzubilden." Ich dachte "Gott sei Dank, jetzt kann ich in die Bibliothek gehen und kann mir Wissen beschaffen."

Sind Sie ein ruheloser Mensch?

Nein, denn nur aus meiner Ruhe ziehe ich meine ganze Kraft. Mein schönster Urlaub war zwei Wochen an der Nordsee, alleine spazieren gehen und nicht reden müssen. Ich meide alles, was mit Krawall zu tun hat, wenn ich privat bin, wenn ich mich wirklich erholen darf. Was ich am meisten hasse, ist dieses ganze Promigedöns und roter-Teppich-Getue. Da verbringe ich meine Zeit wirklich eher mit Leuten aus dem Volk. Es gibt für mich nichts Langweiligeres als dieses Stargetue und dieser krankhafte Jahrmarkt der Eitelkeiten auf dem roten Teppich und die Leute, die sich als Filmstars oder so was erachten, fühlen und bezeichnen usw. Also das ist überhaupt nicht meins.

Im Fernsehen sind Sie immer glamourös und superchic...

Von 20 Einladungen, die ich kriege, da gehe ich zu einer. Und zeige mich so, wie man es von mir erwartet. Aber das ist doch Arbeit, ich verbringe da doch nicht meine Freizeit, das ist doch total verlogen. Wenn Leute auf dem roten Steppteppich stehen und in die Kamera lügen: "Ich bin privat hier".

Auch im Dschungelcamp oder der Fuhrerscheinshow auf RTL wollten Sie keine private Erfahrung machen, sondern das war für Sie Arbeit. Sie sind da hingegangen, um eine gute Show zu liefern, oder?

Hallo? Wenn man Gage bekommt und dann sagt, man arbeitet nicht, das ist doch die größte Lüge in der Branche überhaupt. Dann sollen sie auf das Geld verzichten, dann sollen sie es umsonst machen. Und dann frage ich mich, warum haben sie es dann nicht schon vorher gemacht? Wissen Sie, ich bin 40 Jahre alt. Wenn ich einen Führerschein hatte haben wollen, dann hatte ich ihn ja mittlerweile wohl gemacht. Wenn ich eine Fuhrerscheinshow mache, dann ist das für mich ein Job. Ich hatte keinen Führerschein, weil ich kein Auto haben wollte. Jetzt musste ich sechs Wochen jeden Tag Fahrstunden nehmen, jetzt wäre ich ja blöd, wenn ich das schleifen lassen wurde. Nun mache ich es privat, seriös, für mich, unter Ausschluss der Öffentlichkeit ganz normal zu Ende. Und zwar bei Tage und in Berlin, da wo ich geübt habe. Und nicht in Köln, in einer Stadt, wo ich nie im Verkehr war und dann noch nachts. So macht ja kein Mensch einen Führerschein.

Sie schreiben im Buch immer wieder sehr witzig, zynisch, aber immer mit einem Augenzwinkern über Schonheits-OPs. Wie stehen Sie privat dazu?

Ach, das ist wie mit allen Mitteln. Pfeffer, Salz und Zucker sind Gewürze, Gewürze sind toll in der richtigen Dosierung. Es sind Hilfsmittel, aber die meisten Leute werden ja süchtig und können mit Hilfsmitteln nicht umgehen. Wenn ich mir ein Pfund Salz in die Suppe kippe, dann ist die Suppe ungenießbar. Und wenn man nur eine Prise nimmt, dann bringt sie die Schönheit erst recht zum Entfalten und so ist es auch mit Schönheitschirurgie. Es ist eine Frage des persönlichen Geschmackes. Daran zeigt sich, wie verantwortungsbewusst Leute mit den Möglichkeiten, die sie haben, umgehen.

Und Sie selber haben die Möglichkeiten auch ausgeschöpft?

Nein, um Gottes Willen. Habe ich mir an meine Nase ein Stuck ransetzen lassen, oder was? Das wäre doch das erste, was Leute, die dafür eine Faible haben, getan hatten, oder?

Auf Ihrer Homepage findet man eine Reihe sexy Fotos von Ihnen und eines im Putzfrauenlook - Sind das wirklich Sie?

Da kann ich mich nur amüsieren, wie jetzt diese Alexandra Neldel von "Verliebt in Berlin" überall als großartige Charakterdarstellerin gefeiert wird, weil sie ihr eine Perücke aufgesetzt haben, eine Zahnspange und eine dickglasige Brille. Das ist Schauspielerei! Ich komme vom Stadttheater, ich habe Putzfrauen gespielt und alte Frauen, als ich Mitte zwanzig war. Das ist ein legitimes Mittel einer Schauspielerin. Das ist eine andere Rolle. Aber glauben Sie, in den ganzen Artikeln über mich hatte einmal gestanden, dass ich wandlungsfähig bin? Und wenn ich dann so ein Foto, das mich in einer völlig anderen Rolle zeigt, in einer Buhnenrolle, zwischen meine anderen Marketingfotos setze, dann fragen alle, ob ich früher so ausgesehen habe oder ob ich so ungeschminkt aussehe.

Sind Sie eigentlich überzeugter Single oder können Sie sich doch vorstellen noch zu heiraten?

Nein, nicht mehr. In meiner Generation sind doch eh schon alle vergeben. Und wenn man dann Männer kennen lernt, die Familie haben und Geliebte, ach nein. Nüchtern betrachtet, rechne ich nicht mehr damit. Ich wäre gerne mit jemandem alt geworden, als ich noch jung war, der dann mein Wesen und mich wirklich kennt. Aber wer soll das denn jetzt schon sein, der auch meinen Beruf und meine ganzen Verantwortungen und Verpflichtungen, in die ich geraten bin, unterstutzt? Ich wurde unter Garantie nur jemanden nehmen, der das Gebilde des Lebens, das ich mir bis jetzt Stein auf Stein mühsam erbaut habe, unterstutzt. Also dass da jemand dazwischenfunkt, der neue Probleme ins Haus tragt, das ist für mich undenkbar, da bleibe ich lieber alleine.

Apropos Karriere: Was gibt es denn für Plane in nächster Zeit?

Es gibt mehrere Formate, mit denen ich befasst bin. Eines ist sogar schon fertig, da wird nur noch ein Sendeplatz gesucht bei RTL. Im Juni stehe ich wieder live auf der Buhne und präsentiere ein Best-Of-Programm und dann bin ich natürlich frisch gebackene Bestsellerautorin. Ich bin ja diese Woche schon wieder im Spiegel dabei und da sehe ich für mich schon eine große Zukunft. Das merke ich auch an den Zuschriften und E-Mails. Die Leute schreiben mir Sachen wie "Schreiben Sie um Himmels Willen, Frau Nick, schreiben Sie, was haben wir die ganzen Jahre gemacht ohne Sie und Ihre Bucher!"

Die Fragen stellte Nicole Brunner / lorenzspringer medien